Die Droge Verwöhnung - Buchempfehlung

Im Teamtreff am Montag stellte eine Lehrerin das Buch die Droge Verwöhnung (Jürg Frick, 2011, Hogrefe Verlag) vor. Verwöhnung als Erziehungsstil zeichnet sich durch ein Übermass an Hilfe, Zärtlichkeit, Geld, Spielzeug etc. und gleichzeitig einem Mangel an Zutrauen, Ermutigen und Fordern von Durchhalten aus.

Als Schulleiter erlebe ich negative Folgen von Verwöhnung zum Beispiel dann, wenn einzelne Kinder nicht damit umgehen können, dass sie in der Klasse "nur" eines von vielen sind, sich in der Mittelstufe (zwar ein Einzelfall, aber trotzdem erlebt) die Schuhe nicht selber binden können oder sie sich nicht gewöhnt sind durchzubeissen. Weitere Beispiele sind nicht aufräumen können im Klassenlager ("muss ich zu Hause nie selber machen) oder die Unfähigkeit den Toilettengang selber zu verrichten im Kindergarten.

Als Vater dreier Kinder verstehe ich den Willen, das eigene Kind zu verwöhnen. Meine Kinder sollen es gut haben auf dieser Welt und das Leben geniessen können. Trotzdem, auch wenn es kurzfristig für das Kind angenehmer ist, nicht selber das Zimmer aufräumen zu müssen oder wenn die Eltern die ach so viel zu schwierigen Hausaufgaben für das Kind lösen, hat das längerfristig negative Folgen für die Lebensfähigikeit der Heranwachsenden.

 

Bertrand Russell schreibt: "Die Freuden der Kindheit sollten in der Hauptsache jene sein, die das Kind selbst durch einige Mühe und Erfindungsgabe seiner Umgebung abgewinnt." Ich würde das nicht so radikal formulieren. Das Kind darf sich auch mal über ein "unverdientes" Geschenk, einen Ausflug oder eine Umarmung der Eltern freuen. Grundsätzlich sollten die Heranwachsenden aber zu mehr Selbstständigkeit ermutigt werden und lernen, dass Durchhaltewillen, sich Wagen und für etwas Arbeiten sich lohnt und sie Herausforderungen meistern können. Es kommt auch hier auf eine Mischung an: Dem Kind viel zutrauen und wo nötig eine helfende Hand bieten.

 

Ich empfehle Eltern oder Lehrpersonen die Lektüre dieses Buches oder zumindest dieses Artikels von Jürg Frick. Die Auseinandersetzung mit dieser Thematik ist lohnenswert.

 

Michael Gerber

Schulleiter Weihermatt

14.03.2017

 

Ps.: Auch wenn ich oben negative Beispiele von verwöhnten Kindern erwähne, sehe ich im Alltag weitaus mehr Kinder, welche in ihrer Selbständigkeit gefördert werden und somit ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln können.